Interview:GöG - Den Finalisten bei Germany´s next Showstar 2009

Thursday, March 18th, 2010 – 6:40 pm

Lieber GöG, Liebe Dori!

Ihr habt es vor einigen Monaten bis ins Finale bei der Casting-Sendung Germany´s next Showstar geschafft. Wie waren eure Erfahrungen bei Germany´s next Showstar, war es aufregend, vor so viel Publikum und laufender Kamera eine Performance zu machen?

Dori: Nach 2 Wochen mit Pro Sieben am Set sieht man mit anderen Augen fern… Bobo und sein Team waren die ganze Zeit vor Ort….unzählige Proben, Stellproben, Aussendrehs, Interviews….

Es war eine sehr intensive Zeit mit vielen bleibenden Eindrücken. Bei den Aufzeichnungen waren etwa 400 Personen im Saal. Das waren wir uns von früheren Auftritten und Festivals schon gewohnt. Früher hatte ich heftiges Lampenfieber und vor jedem Auftritt gezittert. Das hat sich über die Jahre zum Glück in Vorfreude umgewandelt. Neben der Erfahrung ist üben mit das beste Mittel gegen Lampenfieber.  Wir hatten die Lieder gut vorbereitet und speziell das Lied zum Finale während einer Woche täglich geübt und daran gefeilt. Es war ein unbeschreiblich spannendes Gefühl, als der grosse Bühnenlift mit uns hoch fuhr und uns noch mal bewusst wurde, dass jede Gruppe nur eine Aufzeichnung hat und alles was in diesen 2 Minuten passiert, von über 2 Millionen Zuschauer gesehen wird.

Wie sahen eure Vorbereitungen auf das Casting aus, und wie kamt ihr auf die Idee, mitzumachen?

 Dori: Eine Freundin hatte uns auf einen Aufruf  „Pro Sieben sucht neue Bühnenstars“ aufmerksam gemacht…. Speziell vorbereitet hatten wir uns gar nicht. Es war klar, dass wir eines unserer eigenen Lieblingslieder „Talkwind“ spielen würden…. und dann kam eh alles ganz anders als erwartet….

Nach dem vorspielen, Bobo hatte unsere Casting -Nummer (666) bereits fürs Halbfinale notiert, meinte Verona Pooth…. könntet ihr euch nicht vorstellen, mit Stilbruch was zu machen?… Mit Stilbruch hatten wir uns die Stunden zuvor die Wartezeit rumgeschlagen und uns auf Anhieb gut verstanden. Und so wagten wir dieses Experiment, erhielten 5 Minuten(!) um zu proben und die Töne abzustimmen, improvisierten vor laufender Kamera…. nach ein paar Sekunden küsste Bobo Verona für die Idee mit der Fusion und wir konnten aus 3 Meter Entfernung zusehen, wie es Elton während dem Spielen die Haare seiner Unterarme aufstellte… Wir hatten alle Gänsehaut…

 Wenn man sich so einem Casting stellt, rechnet man mit vielem, dass aber DJ Bobo vor Rührung die Tränen kommen, und er uns öffentlich als bewegendsten Casting Act von allen bezeichnet, hat auch uns umgehauen….Diese Emotionen und die unglaublich herzlichen Reaktionen der Jury werden wir nie vergessen.

Welche weiteren Zusammenarbeiten haben sich nach eurer Teilnahme bei Germanys next Showstar für Euch ergeben? Produziert Ihr euer drittes Album nun zusammen mit Stilbruch oder bleibt ihr weiterhin ein Duo?

 Dori: Stilbruch spielen ausschliesslich ihre eigenen Lieder, was uns eher einschränken würde… Unsere Leidenschaft sind die ineinander verwobenen polyphonen Rhythmen und reproduzierbaren Phrasen und Lieder,die an strukturierten Jazz erinnern. Sie sind persönlich, komplex, über Jahre entstanden und gewachsen. Zur Zeit gibt es in der Didgeridoowelt kein zweites Duo mit vergleichbaren Liedern…. Darum machen wir vor allem als Duo weiter und arbeiten gerne mit professionellen und leidenschaftlichen Gastmusikern.

 Was wäre gewesen, wenn Ihr die Gewinner von Germany´s next Showstar gewesen wärt? Hätte sich eurer Meinung nach vieles verändert, auch in Hinblick auf euer Privatleben?

 GöG: Man kann natürlich nicht wissen was sich daraus entwickelt hätte. Unser Privatleben ist so oder so auf die Musik ausgerichtet.

 Dori: Und Wie… Für uns war klar, dass wir mit Stilbruch nicht ins Konzept von BoBo´s Show passen. Manchmal gewinnt man mehr, wenn man nicht gewinnt… Und Was will man mehr, als als Sieger der Herzen mit bestem Feedback verabschieded zu werden, um an seinem Traum weiter zu arbeiten…

 Steht ihr bereits im Studio für euer drittes Album? Gebt ihr schon einen Einblick, was wird uns erwarten?

 Dori: Die Hälfte ist im Kasten…. Die Arbeiten für die nächste Bühnenshow sowie eine weitere CD Produktion mit dem weltbekannten Aboriginal Didgeridoo- Spieler und Musiker Mark Atkins haben das Ganze etwas in die Länge gezogen…

 Das dritte Album vereint afrikanische Polyrhythmik, gnadenlos mitreissende Grooves mit Bass, Perkussion und Elementen der modernen Musik… Aber auch einige  Lieder Didge pur, und ein Lied auf der Didgeri-Tuba…… Die Produktion mit Mark Atkins ist eine treibende Mischung mit Gitarre, Bass perkussiven Elementen und puristischen Didgeridoo Duetts und wird sicherlich noch für einige Diskussionen in der Didgeridoowelt sorgen.

 GöG: Den Livemitschnitt von einem unserer Klassiker “Talkwind” könnt Ihr auf unseren Videos hören. Die Studioversion davon ist z.B. mit groovigen Bass und Percussion gespickt.

 Würdet ihr gern bei einem größeren Plattenlabel einen Plattenvertrag bekommen, oder wählt ihr lieber den Weg der Selbstvermarktung für euer kommendes Album?

 Dori: Da wir bereits viel in unser eigenes Studio inverstiert und die idealen Voraussetzungen für professionelle Didgeridoo Aufnahmen geschaffen haben bevorzugen wir zur Zeit den Weg mit der Selbstvermarktung. Bei Auftritten gehen unsere CDs in der Regel weg wie warme Semmel.

 GöG: Vor allem fürs Booking und Event- Veranstalten wären Partner fürs Organisatorische eine super Ergänzung!

Wie seid ihr beide zum Didgeridoo spielen gekommen und hat das Digeridoo-Spielen eine spezielle Bedeutung für euch jeweils?

Dori: Ein Arbeitskollege aus der Küche hat in den Pausen immer gespielt….

Es war der Klang, der mich von der ersten Sekunde an fasziniert und infiziert hat … Was mir die Musik bedeutet? Alles. Es ist die Verbindung zum großen Ganzen, dieser unbeschreibliche Klang mit seinen ungreifbaren Frequenzen und die unendlichen Möglichkeiten, mit einem uralten Instrument neue Musik zu erschaffen, die Menschen aus allen Schichten berührt.

GöG: Es war sofort um mich geschehen, als ich den Klang von Didgeridoos zum ersten mal auf einer alten Weltmusik- Kassette hörte. Anfangs hielt ich solche Instrumente für unerreichbar, da Didgeridoos auf der Kassette schlicht, als von Termiten ausgehölte Eukalyptusbäume beschrieben wurden. Ich stellte mir darunter große Bäume vor, die in Australien auf dem Boden rumliegen und in deren Astlöcher geblasen wird. Inspiriert vom ersten Didge, das ich zu sehen bekam, baute ich mir gleich eines aus einem Papprohr nach und suchte nach den ersten Tönen. Seitdem möchte ich auf das Didgeridoospielen nicht mehr verzichten. Auch wenn es in seiner Heimat ein rituelles Instrument ist, will ich es nicht mystifizieren. Das Spielen macht mit jeder Entwicklung immer mehr Spaß, tut spürbar gut und ich liebe es vor allem wenn es rockt!

 Wie würdet Ihr euren Stil beschreiben, und um was genau handelt es sich bei Yidaki und Mago?

 GöG: Das kommt ganz auf das Projekt an. Wir lieben die Vielfalt. In einer Fusion wie “Wobadaa” spielen wir klare Strukturen mit hohem Wiedererkennungswert. In Kombination mit Sitar, oder Kirchenorgel praktizieren wir genau das Gegenteil, indem wir improvisieren, erkennbare Muster gleich wieder loslassen, uns treiben lassen und uns selbst wundern was dabei entsteht. Die meisten Songs, die gemeinsam im Duo entstanden, sind groovig, puristisch und irgendwie können wir unsere Liebe zu Afro- Orientalbeats, sowie Jazz und Blues nicht ganz verstecken. Es ist auf jeden Fall eine neue Interpretation des Instruments und daher auch nicht so einfach zuzuordnen.

Zu Yidaki und Mago: Der Begriff “Didgeridoo” ist eine Wortkreation von den Weissen. In Arnhemland, (Nordaustralien) wo das “Didgeridoo” seinen Ursprung hat, kann man es grob in zwei Instrumenten Gruppen einteilen:

Das Yidaki aus Nordost- Arnhemland: Lange, meist konische Instrumente, die traditionell mit einem charakteristischen Stil gespielt werden. Sie klingen eher brummig und bei dem entsprechenden Spielstil sind Trompetentöne ein wichtiges Element.

Das Mago aus West- Arnhemland: Kurze, meist schlichte Instrumente, die etwas offener klingen und im traditionellen Stil fast nie mit Trompetentöne gespielt werden. Auch hier ist “Mago” vor allem der bekannteste Begriff von vielen. Es gibt aber je nach Region noch mehr traditionelle Namen für das Didge… Würde ich die typisch traditionellen Sounds als “herrlich mystisch” und “dunkel” beschreiben, dann würde ich unsere Favoriten als “herrlich hell” und obertonreich gegenüber stellen. Diese Klangqualitäten kann man genauso wertfrei vergleichen wie z.B. Indianer- und Operngesang. Wir interessieren uns schon immer für alle Facetten, die man bei jungen und alten Instrumenten entdecken kann.

 Wie sind eure Pläne für 2010?

GöG: Ich schaffte es gerade noch zum Jahresabschluß, eine komplett neue Australien- Bühnen- Mediashow in den Kasten zu bekommen, bei der alle Bilder und Videos Taktgenau zur Livemusik laufen. Da gibt es noch viele neue Ideen zu verwirklichen. Die nächsten Wochen arbeiten wir intensiv an der Fertigstellung unserer CD und der Gemeinschaftsproduktion mit Mark Atkins. Dann freue ich mich schon auf das nächste Projekt, in dem mehr elektronische Beats vorkommen werden. Visualisierungen, die mit der Musik zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen, werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

openpot.com/GöG

 

 

Interview von Sophie

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